Steckbrief-Ex-Wirtschaftsminister Karl-Theodor Freiherr von und zu Guttenberg

Wirtschaftsminister Karl-Theodor Freiherr von und zu Guttenberg ist, wie 2 neue Umfragen zeigen, der beliebteste Politiker in Deutschland. Demnach bewerten 66% der Befragten seine Arbeit als gut. Wir haben uns gefragt, warum und haben eine kleine Liste von Fakten über ihn zusammengestellt:

Herkunft und Familie

Er stammt aus der fränkischen Adelsfamilie Guttenberg. Nach Angaben des SPIEGEL (11/2009, S.74) wird das Familienvermögen auf ca. 600 Millionen Euro geschätzt. Die Familie von und zu Guttenberg, die auf ihrer fränkischen Burg bei Kulmbach residiert, gehört damit zu den 300 reichsten Familien bzw. Personen in Deutschland.

Sein Stiefvater ist der Sohn von Hitlers Außenminister und Joachim von Ribbentropp, der in den Nürnberger Prozessen zum Tode verurteilt wurde.

Er ist verheiratet mit Stephanie Gräfin von Bismarck-Schönhausen, einer Ur-Ur-Enkelin von Bismarck, mit der er zwei Töchter hat.

Studium und Karriere

Nach dem Abitur leistete er seinen Grundwehrdienst im Gebirgsjägerbataillon 233 in Mittenwald. Die Mittenwalder Bergjäger sind berüchtigt für ihre Traditionspflege. Jedes Jahr kommen junge Soldaten aus aktiven Gebirgsjägerverbänden und alte Kameraden aus Wehrmachtsverbänden zusammen, um ihre Toten aus den beiden Weltkriegen zu ehren. Die Massaker und anderen Kriegsverbrechen, die die Gebirgsjäger während des Zweiten Weltkrieges in Griechenland, Italien, Frankreich und anderen deutsch besetzten Ländern Europas begangen haben, werden ununterbrochen als heroische, militärische Aktion verherrlicht.

Guttenberg hat Jura studiert und promoviert – als Jurist hat er jedoch nie gearbeitet.

Guttenberg war ein sogenannter Young Leader, der von den alteingesessenen Führern des American Council on Germany (Präsident: Henry Kissinger) ausgebildet wurde, einem politischen Traineeprogramm der USA für deutsche (und europäische) Eliten. Ziel des ACG ist das stete Festhalten an und das Bewusstsein für die amerikanische Perspektive auf das Weltgeschehen und die Umsetzung amerikanischer Prinzipien und Ziele in den so wichtigen Bereichen der Geostrategie und Wirtschaft (Globalisierung und Finanzen). Die ausgewählten neuen Mitglieder nehmen an Ausbildungsprogrammen teil und erhalten so Zugang zu den Elitenetzwerken. Eine Empfehlung zur Aufnahme als Young Leader wird in der Regel von einem Mitgliedsunternehmen, z.B. Deutsche Bank, Goldman Sachs oder DaimlerChrysler, ausgesprochen.

Er saß im Aufsichtsrat der Rhön-Klinikum AG (Umsatz 2007: 2 Milliarden Euro), die sich zu mehr als einem Viertel im Besitz seiner Familie befand. Wikipedia sagt über die Rhön-Kliniken: Der bisherige Erfolg des Unternehmens beruht vor allem auf der konsequenten Übernahme von Rationalisierungsstrategien aus der Industrie in den Gesundheitssektor. Wer mehr über das ehrenwerte Unternehmen wissen will, kann sich auf einem eigens eingerichteten Blog der ver.di-Jugend informieren.

Politik

Gleichzeitig mit seiner Wahl der CSU in den Deutschen Bundestag im Jahr 2002 wurde Guttenberg in den Auswärtigen Ausschuss des Bundestages berufen – für einen 31-Jährigen äußerst ungewöhnlich. Denn der Ausschuss für auswärtige Angelegenheiten ist ein hochsensibles und wichtiges Gremium: Er tagt ausschließlich hinter verschlossenen Türen und entscheidet über sicherheitspolitische Fragen (=Militäreinsatz). Die Zustimmung des Bundestages ist eigentlich nur eine Formalität, denn sie ist, wie offen zugegeben wird, in keinem einzigen (!) Fall von den Vorgaben dieses Ausschusses abgewichen.

Guttenbergs Mitgliedschaft in der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP), einem Ableger des U.S. Council on Foreign Relations (CFR), hat vermutlich geholfen. Dieser von finanziell hochpotenten Kreisen getragene „Think Tank“ steht für eine neoliberale, neokonservative Politik, die darauf abzielt, die geostrategischen Interessen der USA durchzusetzen. Wichtige Themen sind der sogenannte „Kampf gegen den internationalen Terrorismus“ oder die „Liberalisierung der Weltmärkte“. Es ist kein Zufall, dass der ehemalige Vizepräsident von George Bush, Dick Cheney, den CFR-Präsidenten für mehrere Jahre abwarf.

Handelsminister

Als Qualifikation für das Amt des Wirtschaftsministers stellte Guttenberg seine unternehmerische Erfahrung in einem mittelständischen Unternehmen zur Verfügung. Tatsächlich war er nur für das Familienunternehmen Guttenberg GmbH verantwortlich, dessen Aufgabe die Verwaltung des eigenen Vermögens war (siehe Video unten).

Auf einer Pressekonferenz vermittelte er zudem den Eindruck, dass er am Börsengang der Rhön Klinikum AG teilgenommen habe. In Wirklichkeit war Karl Theodor gerade 18 Jahre alt und bereitete sich auf den Wehrdienst vor, als die Rhön Klinikum AG 1989 an die Börse ging (Quelle: Ad-hoc-Meldungen).

Bei den Verhandlungen über die Übernahme von Opel ist er sich seiner Ausbildung und Loyalität bewusst und setzt sich für die US-Investmentgesellschaft RHJ (Ripplewood) ein, damit Opel nicht von Magna übernommen wird (hinter Magna stehen die Russen). Die IG Metall befürchtet dagegen, dass RHJ die Geschäfte von General Motors führen wird (Quelle: Der Freitag).

Ein weiterer Vorteil für Guttenberg: Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender des Axel-Springer-Verlags, sitzt im Aufsichtsrat von Ripplewood und ohne die Loyalität der BILD-Zeitung wird und wird man nicht Deutschlands beliebtester Politiker bleiben.

Plagiatsaffäre 2011

Nach knapp zwei Jahren  war der Vorwurf zahlreicher Plagiate in Guttenbergs an der Universität Bayreuth eingereichter Dissertation mit dem Titel Verfassung und Verfassungsvertrag überall im Netz.  Auf der Grundlage dieser Arbeit wurde ihm 2007 der akademische Doktortitel verliehen.
Die auf den Plagiatsvorwürfen beruhenden Strafanzeigen führten zu einem Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Hof. Hauptthema waren mögliche Urheberrechtsverletzungen. Am 23. November 2011 teilte die Staatsanwaltschaft Hof mit, dass in 23 Textpassagen strafrechtlich relevante Urheberrechtsverletzungen festgestellt worden seien und dass sie gemäß § 153a StPO das Ermittlungsverfahren gegen Zahlung einer Umlaufgebühr von 20.000 Euro an eine gemeinnützige Organisation eingestellt habe. Sie teilte unter anderem mit, dass sie das Verfahren eingestellt habe: „Im vorliegenden Fall ist der wirtschaftliche Schaden für die verletzten Autoren … nur marginal. Auch hat der Angeklagte, der nicht vorbestraft ist, keinen wirtschaftlichen Nutzen aus seiner Doktorarbeit gezogen. Gericht und Staatsanwaltschaft sind daher zu dem Schluss gekommen, dass ein Zahlungsbefehl in Höhe von 20.000 € an eine gemeinnützige Organisation das öffentliche Interesse an einer Strafverfolgung ausschaltet“. Im Juli 2011 wurde bekannt, dass Guttenberg mit seiner Familie für ein „politisches Sabbatical“ nach Greenwich in die USA ziehen würde.

Guttenberg gründete 2013 Spitzberg Partners, eine Investitions- und Beratungsfirma in New York.

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