| Der Preis ist Scheiß |
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| Mediales |
| Montag, 25. Januar 2010 um 09:34 Uhr |
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Wir wollen euch gar nicht lange auf die Folter spannen. Deshalb schon mal der Knüller vorne weg:
Angela Merkel – ja genau, die Merkel, die für Medien und all diesen Kram extra PR- und Medienberater hat, die ihr sagen, wie, wann und mit welcher Aussage sie am besten in welche Kamera plappern soll bzw. nicht soll – hat am 22. Januar dieses Jahres den Deutschen Medienpreis 2009 erhalten.
Die Nachdenkseiten haben dazu einen sehr treffenden Satz geschrieben:
Begründet hat die »Jury« ihre Wahl von Frau Merkel übrigens so:
Dazu müssen wir ja wohl nichts mehr sagen...
Aber wer kommt eigentlich auf eine derart absurde Idee, der Kanzlerin einen Medienpreis zu verleihen? Dazu heißt es auf der Seite mit dem bedrohlichen Namen media-control.com, die Merkel sei von einer »Jury aus führenden Chefredakteuren« ausgewählt worden. Auf der Seite des Deutschen Medienpreises ist genauer nachzulesen, dass die »Vorschlagsliste für die Befragung neutral von Media Control und einem Beraterkreis von Chefredakteuren unter dem Vorsitz von Stefan Aust, ehemaliger Chefredakteur DER SPIEGEL, gemeinsam erarbeitet« wird.
Und mehr noch: der Deutsche Medienpreis wurde nach Angaben des Marktforschungsunternehmens media-control (es handelt sich dabei nämlich nicht um eine uneigennützige Auszeichnung, sondern um die Selbstinszenierung eines Profitunternehmens) deshalb ins Leben gerufen, »um über alle politischen Interessen und Medienkonglomerate hinweg eine Auszeichnung für Persönlichkeiten zu schaffen, die in einem Jahr die Gesellschaft oder die Politik prägend beeinflusst haben.« Dies ist erstens schon allein deshalb grotesk, weil die Laudatorinnen und Laudatoren verdächtig oft aus dem Lager des internationalen Medienimperiums Bertelsmann kommen und zweitens, weil im Jahr 2009 ja wohl eine Menge Persönlichkeiten eine »herausragende Bedeutung« hatten oder »der Zeitgeschichte einen prägenden Stempel gegeben« haben, wie es in den Verleih-Kriterien weiter heißt, aber auf Frau Merkel trifft das wohl nicht zu.
Anstatt des Friedensnobelpreises, hätte Obama den Deutschen Medienpreis erhalten sollen. Den hätte er auch wenigstens verdient. Das hätte allen eingeleuchtet. Aber dass das journalistische »Who-is-who« in Deutschland ausgerechnet die Frau auszeichnet, deren Wahlkampf vor Inhaltsleere strotzte und sich den wenigen kritischen Fragen der medialen Öffentlichkeit einfach entzog, ist pervers. Ebenso wie die politische Begründung der Verleihung. Frau Merkel steht nämlich nicht nur für »eine menschenfreundliche Politik sowie Partnerschaft und Menschenrechte«, sondern ebenso für eine Kabinettspolitik, in der die Partei und die parteinahe Stiftung des Vizekanzlers und Außenministers Westerwave den brutalen und völkerrechtswidrigen Militärputsch in Honduras unterstützt und begrüßt, in der der Außenminister auch persönlich in Pressegesprächen auf gepflegten Nationalismus pocht, in der der Finanzminister ein korrupter Handlanger der Waffenindustrie ist – und noch dazu ein bevölkerungsterrorisierender Überwachungsfanatiker, in der der Minister für Entwicklungszusammenarbeit das eigene Ressort noch vor der Wahl komplett einstampfen wollte, es dann selbst erhält und,in der der zuständige Minister der Merkel-Regierung de facto den Benachteiligten in Deutschland die Gesundheitsversorgung finanziell unmöglich machen will während in den USA gerade um eine Krankenversicherung für alle gerungen wird. All das wird von der Kanzlerin jeden Tag medial repräsentiert, obwohl man genau genommen sagen müsste: gedeckt. Im Falle der niederländischen Nachfrage nach der Einsetzung Schäubles als Fiskus unterdrückte Merkel öffentlich die Kritik an der korrupten, intransparenten Machtelite. Dafür kann natürlich nur ein Medienpreis winken, der von einem Unternehmen stammt, dass so eng mit den Elitezirkeln, Entscheidungsriegen, Interessenverbänden und Machtnetzwerken verbunden ist, dass auch eine solche verachtungsvolle Geringschätzung der Rechenschaftspflicht gegenüber der Öffentlichkeit und der eigenen Bevölkerung als glatter Triumph der eigenen Interessenstärke gewürdigt wird.
Angesichts all dessen, wundert es auch nicht, dass der Deutsche Medienpreis bereits an Persönlichkeiten verliehen wurde, die das ehrliche, aufrichtige und authentische Auftreten in den Medien sowie den uneigennützigen, verantwortungsbewussten und demokratischen Umgang mit ihnen geradezu leibhaftig verkörpern. So etwa der erste Preisträger und seinerzeit RTL-Chef Helmut Thoma (1992), unser »blühende Landschaften«-Kanzler Helmut Kohl (1993), Boris Jelzin (1996), Bill Clinton (1999), der »Medien-Kanzler« Gerhard Schröder (2000), Juan Carlos I. (2006) oder Steffi Graf und Andre Agassi (2007).
Die Reihe der Laudatorinnen und Laudatoren reicht ebenfalls von boulevardesque, über streitbar bis zu machtgeil:
Thomas Gottschalk (1992) Helmut Kohl (1994) Jürgen E. Schrempp – DaimlerChrysler (1998) [ausgerechnet die Laudatio für Nelson Mandela! Eine Schande ist das!] Frank Schirrmacher – FAZ (2000) Thomas Middelhoff – Bertelsmann (2001) Liz Mohn – Bertelsmann (2002) Angela Merkel (2004) Dieter Zetsche - DaimlerChrysler und Thomas Middelhoff - Bertelsmann, Arcandor, KarstadtQuelle (2007)
Eine unschlagbar treffsichere und zugleich erhellende Analyse zu alledem findet sich auf den Nachdenkseiten. |










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