Nachdem er im April 2008 bereits 41 Tage im Gefängnis verbringen musste und für umgerechnet 72.000 Euro Kaution wieder vorläufig freikam, wurde Omid Reza Mirsayafi im November 2008 von einem iranischen »Revolutionsgericht« zu 2 Jahren und 6 Monaten Haft verurteilt, weil er unter anderem den iranischen Religionsführer »beleidigt« haben soll. Der iranische Blogger Mirsayafi war zwar nicht der erste Blogger, der für seine Äußerungen im Gefängnis landete, aber er war der erste Blogger, der wegen seiner Ansichten im Gefängnis starb. Zur Erinnerung an den am 18. März 2009 gestorbenen Omid Reza Mirsayafi.
Dresden, 13. Februar 2010. Wie im Vorjahr sind 6.000-7.000 Neonazis aus dem gesamten Bundesgebiet und dem europäischen Ausland angereist, um die Bombardierung der Stadt im Zweiten Weltkrieg als Anlass für ihren Aufzug zu missbrauchen. Doch schon der Anfahrtsweg zum Ort der Auftaktkundgebung wird vielen erschwert. Zur eigentlichen Startzeit um 12 Uhr haben es lediglich ein paar hundert Nazis auf den strikt abgeriegelten Bahnhofsvorplatz geschafft. Erst in den folgenden Stunden schlagen sich immer mehr Geschichtsrevisionisten von ihren Busparkplätzen zum Kundgebungsort durch. Doch aus der angekündigten Großdemonstration wird nichts. Bis zum frühen Abend werden alle Straßen rings um den Neustädter Bahnhof von über zehntausend Menschen friedlich blockiert. Ihre Masse und Vielfältigkeit treibt den politischen Preis einer Räumung für die Polizei so hoch, dass diese darauf verzichtet.
Auf der LiMA berichtet Stefan Thiele im Vorlesungssaal „Roter Salon“. Er war mitverantwortlich für die Pressearbeit beim Bündnis Dresden Nazifrei und spricht nun vom Erfolg dieses Tages.
Dass Journalisten in diesem Land ihrer eigentlichen Aufgabe vielfach nur noch ungenügend gerecht werden, hat uns auf diesem Blog schon häufiger beschäftigt. Wenn man sich das Dilemma so ansieht, ist die Fragestellung einer Serie in der Süddeutschen nur all zu gerechtfertigt: „Wozu noch Journalismus?“ Einen empfehlenswerten Beitrag liefert nun der Freitag-Herausgeber Jakob Augstein, der in „Das ist nicht Ihr Kanzleramt!“ aufzeigt, dass das Hauptproblem im Selbstverständnis vieler Journalisten begründet liegt.
Die Medienlandschaft triumphiert. Kaum hat Oskar Lafontaine aus gesundheitlichen Gründen seinen Rückzug von der Bundespolitik angekündigt, frohlocken die Zentralorgane Bild und Spiegel im Chor vom Ende der Linkspartei.
Wir wollen euch gar nicht lange auf die Folter spannen. Deshalb schon mal der Knüller vorne weg:
Angela Merkel – ja genau, die Merkel, die für Medien und all diesen Kram extra PR- und Medienberater hat, die ihr sagen, wie, wann und mit welcher Aussage sie am besten in welche Kamera plappern soll bzw. nicht soll – hat am 22. Januar dieses Jahres den Deutschen Medienpreis 2009 erhalten.
Schon 2 Wochen alt, aber dennoch ein (Negativ-)Lehrstück in Sachen Journalismus: In ihrer Talk-Show wollte Maybritt Illner den "100.000-Mark-Spende-habe-ich-vergessen"-Finanzminister Schäuble auf die Frage des holländischen Journalisten ansprechen, der Kanzlerin Merkel vor einigen Wochen gefragt hatte, wie man jemanden mit solchen Erinnerungs- oder besser Gewissenslücken zum Finanzminister ernennen kann (siehe unser Volltreffer der Woche vom 26. Oktober). Doch leider verließ sie dabei sichtbar die Courage. Was eine zur Abwechslung mal kritische Frage hätte werden können, verkam zur peinlichen Stammelei, die Schäuble nicht in die Enge trieb, sondern zum Spott gereichte.
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Wie der Blog http://fussball-lebt.de/ berichtet, hat das Deutsche Sport Fernsehen die gestrige Partie der 2. Fußball-Bundesliga zwischen Hansa Rostock und dem FC St. Pauli via Twitter folgenderweise angekündigt.
Die Absurdität der Medienlandschaft, insbesondere der Privaten wird hier überaus sichtbar. Mit der Ankündigung vermeintlicher Krawalle sollen Zuschauer gelockt werden, und kommt es tatsächlich zu unschönen Szenen, folgt im Anschluss die große Betroffenheits-Berichterstattung. Damit bedient sich der private Sender derselben journalistischen Ungepflogenheit wie sie die BILD typischerweise betreibt. Diese heizte schon einige Tage im Voraus die Stimmung an. „Wie sicher ist das Krawall-Derby?“ hieß es beispielsweise in der Hamburger BILD. Dazu wurden tagelang über Spieler (der dunkelhäutige Morike Sako: "Ich weiß, dass ich wieder beleidigt werde"), Trainer und Präsident ("Wenn Rostock gegen uns verliert, brennt die ganze Stadt") die schlimmsten Vermutungen geäußert. Nachdem nun St. Pauli-Fans Leuchtraketen auf Hansa-Anhänger schossen, einer ihrer Spieler mit unsportlichen Gesten die Zuschauer provozierte und die Rostocker sich wiederum mit der Polizei duellierten, spricht BILD nun von einer „traurigen Bilanz“.
Man dachte, Thilo Sarrazins Äußerungen über Migranten in Deutschland wären an Dreistigkeit und völkischem Chauvinismus nicht zu überbieten (von echten Nazis einmal abgesehen), doch dann kam Spiegel TV, um dem Hobby-Rassisten Sarrazin beiseite zu springen. Dem geneigten RTL-Publikum wurde ein Beitrag gezeigt, der wirklich kein Vorurteil über Ausländer unbeachtet ließ.