| Schwarz auf Weiß |
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| Kulturelles |
| Mittwoch, 21. Oktober 2009 um 12:25 Uhr |
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Morgen, am Donnerstag, den 22. Oktober 2009, kommt ein Film in die deutschen Kinos, der genau diesen Titel trägt: »Schwarz auf Weiss – eine Reise durch Deutschland«. Darin reist ein Schwarzer durch die BRD, was an sich nicht sonderlich Aufsehen erregend wäre – handelte es sich dabei nicht um den fast schon legendären Enthüllungsjournalisten Günter Wallraff.
Nach unzähligen verdeckten Ermittlungen und enthüllenden Reportagen, verschaffte sich Wallraff erstmals in den 70er Jahren Gehör. Damals schlich er sich als Journalist »Hans Esser« in die Redaktion der Bild-»Zeitung« ein und dokumentierte in sage und schreibe drei Büchern seine Erlebnisse. Die Machenschaften des Springerkonzerns, die Wallraff aus nächster Nähe beschrieb, waren so niederträchtig, dass Springer sie mit allen Mitteln zu vertuschen versuchte und schließlich vieles per Gericht zensieren ließ. Danach machte sich Wallraff daran, die deutschen Arbeitsverhältnisse und diesbezügliche Migrationspolitik in Erfahrung zu bringen. Als Türke »Ali« arbeitete er unter anderem beim Rüstungskonzern Thyssen und bei der Instantfraß-Kette McDonalds. Sein Buch mit dem aussagekräftigen Titel »Ganz unten«, indem er alle Widerfahrnisse festhielt, machte Schlagzeilen. Wallraff wurde zunehmend vorsichtiger, nicht zuletzt, weil er ernstzunehmende Drohungen erhielt (und die sicherlich nicht von seinen zeitweiligen Arbeitskollegen). Sein letzter Coup führte ihn als Agent in ein Call Center oder als Fließbandarbeiter in die Brötchenbackstraße eines Zulieferbetriebes für einen deutschen Lebensmittel-Discounter. Stets untersuchte Wallraff mit der Lupe die Untiefen medialer Manipulation und Demagogie, moderner Ausbeutung und entmenschlichter Ökonomie.
Nun hat er sich maskenbildnerisch wieder einmal verwandeln lassen, um das wahre Gesicht der sozialen Verhältnisse und deutscher Zustände zu enttarnen. Wallraff alias Kwami Ogonno aus Somalia ist mit einer versteckten Kamera im Knopfloch unterwegs und dokumentiert somit hautnah, was ein augenscheinlicher Migrant in Deutschland alles erleben muss, aber nicht müsste. »Es ist kein schöner Heimatfilm geworden«, fasst die Süddeutsche Zeitung zusammen.
(Foto: X-Verleih)
Beim ersten Anblick der Kunstfigur Kwami könnte man meinen, es sei keine investigative Meisterleistung, sondern die Reproduktion von Klischees, sich tiefschwarz anzumalen und dann die zu erwartenden Reaktionen der üblichen Verdächtigen in den »einschlägigen« Gegenden nur noch mit der Kamera einzufangen. Doch dieser Film wird ein solches Vorurteil schmerzlich Lügen strafen. Szenen, die man in ostdeutsche Plattenbausiedlungen verorten würde, entpuppen sich als drastische Alltagsrassismen im weltoffenen Köln. Kontrastiert werden sie von mutigen Menschen, die Kwami mit Zivilcourage zur Seite stehen – mitten im Osten. Und was von Seiten der Deutschen gegenüber dem »Sarotti-Mohr« (Filmzitat) nicht offen ausgesprochen wird, das gibt man (unter Deutschen eben!) zum Besten, wenn Kwami die Szenerie verlassen hat. Doch auch hier gibt es noch eine Kamera...
»Schwarz auf Weiss« sollte Pflichtprogramm sein, und zwar als selbstreflektierende Maßnahme für eine gelingende Integration. Prädikat: Besonders sehenswert. Film ab!
»Schwarz auf Weiß - Eine Reise durch Deutschland« (2009), Regie: Pagonis Pagonakis und Susanne Jäger, 86. Min.
Trailer
Die Maske
In diesem Zusammenhang sei auch auf Günter Wallraffs neues Buch hingewiesen. Es heißt »Aus der schönen neuen Welt. Expeditionen ins Landesinnere. «, ist im Verlag Kiepenheuer & Witsch erschienen, und die 325 Seiten kosten 13,95 €. Ein Interview dazu gibt es hier in der FAZ. |







Manche werden sich jetzt wundern, warum wir den Titel unserer gleichnamigen Rubrik, in der wir Euch lesenswerte Artikel vorstellen (siehe Seitenrand rechts) zu einem eigenen Beitrag erheben. Aber es ist nicht so, wie Ihr denkt. Es gibt eine Erklärung dafür – und zwar eine sehr gute.



Kommentare
Ein Artikel von Wallraff über seinen neuen Film, die Eindrücke während seiner Zeit als Schwarzer und darüber, dass seine Tarnung eigentlich gar nicht gut ist und man ihm eigentlich sofort ansehen müsste, dass er kein echter Somalier ist - aber »die meisten schauen einfach nicht so genau hin«.
Offenbar genügt vielen immernoch die bloße Farbe der Haut und schon BILDen sie sich ihre Meinung.
http://www.zeit.de/2009/43/Wallraff-43?page=all